Wie entwickeln sich die Transportkosten?

Die Entwicklung der Transportkosten kennt seit 2020 nur eine Richtung: aufwärts. Keine guten Zeiten also für Shipper, langfristige Verträge mit Spediteuren einzugehen. Bis zum Ausbruch der Coronakrise war das anders. Transporte wurden immer günstiger.

Entwicklung der Transportkosten bis 2020

Laut einer Statistik der Onlineplattform Statista sind die Preise über alle Ladungsträger hinweg weltweit allein zwischen dem vierten Quartal 2019 und dem zweiten Quartal 2020 um mehr als zehn Prozent gesunken.

Entwicklung der Transportkosten von 2020 bis Mitte 2022

Als wenige Wochen nach Pandemiebeginn der Laderaum knapp wurde, kam es zu einer Trendwende, die bis heute anhält. Seit dem zweiten Quartal 2020 sind die Transportkosten um rund 30 Prozent gestiegen.

Im Detail: Transportkosten für den See- und Luftweg

Der Aufwärtstrend war bei allen Transporten zu verzeichnen, egal ob auf der Straße, der Schiene, in der Luft oder über den Seeweg. Im Folgenden gehen wir beispielhaft auf zwei Verkehrsträger genauer ein: Schiff und Flugzeug.

Seit Januar 2020 wurden die Lieferketten bei Schiffstransporten immer wieder stark gestört. Coronabedingte Hafenschließungen und im August 2021 zusätzlich die Schließung des Suezkanals waren die wichtigsten Gründe dafür. Das Resultat waren Kapazitätsengpässe, weil Container und Schiffe „festhingen“. In der Folge schnellten die Transportkosten in die Höhe: Während die Beförderung eines 40-Fuß-Containers von Shanghai nach Rotterdam im Januar 2020 noch rund 2.000 US-Dollar kostete, waren es im Oktober 2021 14.800 US-Dollar. Seit Januar 2022 entspannt sich die Lage etwas.

Auch bei Transporten per Flugzeug wurden durch die Pandemie die Kapazitäten knapp. Grund dafür waren weniger Störungen in der Lieferkette als eine enorm hohe Nachfrage unter anderem bedingt durch den weltweit gestiegenen Bedarf an medizinischen Versorgungsgütern. Die Folge war auch hier ein deutlicher Anstieg der Transportkosten.

Prognose: Wie geht es mit den Transportkosten weiter?

Wer mit dem Ende der Coronapandemie auf eine Senkung der Transportkosten gehofft hat, der ist wohl ziemlich hart auf dem Boden der Tatsachen aufgeprallt. Eine erneute Trendwende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Experten sind sich einig, dass die Preise in diesem Jahr weiter steigen werden. Der Schweizerische Logistikdienst EBS Media wagt es, die Entwicklung zu beziffern. Er erwartet je nach Verkehrsträger einen Preisanstieg um 8 bis 12 Prozent. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Im Detail: Transportkosten im Straßengüterverkehr

Ein besonders hoher Preisanstieg ist bei Lkw-Transporten zu erwarten. Politische Rahmenbedingungen, die weltweite geopolitische Lage und der Fachkräftemangel setzen Lkw-Spediteure weiterhin enorm unter Druck. Einerseits steigt durch die Umsetzung des EU-Mobilitätspakets der Bedarf nach Fahrern, andererseits fehlen nahezu weltweit Fachkräfte. In der Folge bleiben Lkw stehen und der Frachtraum bleibt knapp. Verschärft wird die Situation durch kriegsbedingt anhaltend instabile Lieferketten weltweit. Das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage führt zu teureren Frachtraten. Hinzu kommt der Anstieg der Kraftstoffpreise als weiterer Treiber der Transportkosten. Nicht nur, dass aufgrund des Krieges in der Ukraine das Angebot an Rohöl, seit 2022 verteuern auch die seit 2022 in vielen Ländern anfallende CO2-Steuern die Kraftstoffe.

Folglich wird die Inflation auf den Frachtmärkten voraussichtlich zunächst anhalten. Führungskräfte aus der Logistikbranche halten es für möglich, dass die Raten teilweise auf das Doppelte im Vergleich zur Zeit vor der Kapazitätsverknappung steigen werden. Bei der Spedition Walter rechnet man für 2022 mit einem Plus der Vertragstarife im hohen einstelligen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Derek Leathers, CEO der Spedition Walter, stellt jedoch eine Normalisierung in Aussicht, sobald die Transportnachfrage nachlässt und Unternehmen ihre Lagerbestände wieder aufgefüllt haben. Dies werde aber nicht vor 2023 der Fall sein.

Im Detail: Transportkosten für den Luftweg

Laut dem Marktbericht der digitalen Spedition Flexport sind die Transportkosten in der Luftfracht aktuell weltweit stabil. In Europa sinken die Frachtraten sogar zum Teil leicht, da die Kapazitäten steigen und Treibstoffpreise sowie -zuschläge sogar rückläufig sind. Dies macht sich insbesondere auf der Transatlantikroute bemerkbar. In manchen Teilen Asiens kommt es zwar noch zu leichten Preisanstiegen – dies ist zum Beispiel in Nordchina der Fall, wo die Produktion zum Teil nach coronabedingten Schließungen nur langsam wieder anläuft und Präventions- und Kontrollvorschriften weiterhin gelten. Insgesamt sind die Raten aber stabil und werden dies vermutlich auch bleiben.

Im Detail: Transportkosten für den Seeweg

Seit dem Rekordhoch im Oktober 2021 sinken die Preise für Container-Schiffstransporte. Mitte Mai kostete die Verschiffung eines 40-Tonnen-Container von Shanghai nach Rotterdam „nur noch“ 9.793 US-Dollar (Vergleich: 14.800 US-Dollar im Oktober 2021). Auf anderen Strecken zeichnete sich jedoch keine Entspannung ab. Auf der Route Shanghai – Los Angeles beispielsweise sind die Preise zuletzt sogar wieder gestiegen. Dem Marktbericht der digitalen Spedition Flexport zufolge ist daher weltweit in den kommenden Wochen mit stabilen Preisen beziehungsweise einer Stagnation auf hohem Niveau zu rechnen.

Fazit: Wohin entwickeln sich die Transportkosten?

Was bedeutet das nun unter dem Strich? Eines vornweg: Eine verlässliche Aussage über die weitere Entwicklung der Transportkosten können wir nicht treffen. Dazu ist insbesondere die geopolitische Lage zu ungewiss. Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung und die Prognosen der Experten vermuten wir jedoch, dass die stärksten Preisanstiege überwunden sind und sich die Lage auf dem Frachtmarkt mit der Erhöhung der Transportkapazitäten entspannen wird. Wie schnell das geht, wird von Verkehrsträger zu Verkehrsträger unterschiedlich sein. Am langsamsten werden sich sicherlich die Preise für Straßentransporte regulieren, da hier das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage am stärksten ist.

Über alle Verkehrsträger hinweg halten wir es allerdings für unrealistisch, dass die Preise jemals auf ein Vorkrisenniveau sinken werden. Eher werden sie sich auf dem aktuellen, gegebenenfalls etwas niedrigeren, aber immer noch vergleichsweise hohen, Niveau einpendeln.

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