Eine Bahnfrachtausschreibung ist der strukturierte Einkaufsprozess, bei dem ein versendendes Unternehmen (Shipper) Transportkapazitäten für den Schienengüterverkehr an Logistikdienstleister oder Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) vergibt. Ziel ist es, durch die Definition spezifischer Anforderungen – wie Relationen, Waggontypen, Gefahrgutklassen und Volumen – vergleichbare Angebote zu erhalten, um Frachtraten zu optimieren und Transportkapazitäten verbindlich zu sichern.
Der Prozess einer Bahnfrachtausschreibung unterscheidet sich aufgrund der hohen Komplexität des Schienenverkehrs (Trassenverfügbarkeit, Waggonarten, Vor- und Nachlauf) deutlich von reinen LKW-Ausschreibungen. Grundsätzlich werden zwei Hauptarten unterschieden:
Tender (Kontraktlogistik): Hierbei handelt es sich um langfristige Vereinbarungen. Der Shipper schreibt große Volumina für einen festen Zeitraum (z. B. 1–2 Jahre) aus. Ziel ist Preisstabilität und Planungssicherheit.
Spot-Ausschreibung (Inquiry): Dies sind kurzfristige Anfragen für einzelne Transporte oder unvorhergesehene Bedarfe. Im Kontext moderner Plattformen wie eFrexx werden diese als „Inquiry“ bezeichnet und dienen der schnellen Deckung von Tagespreisen.
Der Schienengüterverkehr gewinnt im Zuge von Green Logistics und CO2-Reduktionszielen massiv an Bedeutung. Die Ausschreibung dieser Verkehre stellt Logistiker jedoch vor spezifische Herausforderungen.
Wesentliche Aspekte der Bahnfrachtausschreibung:
Hohe Transportvolumina: Die Bahn eignet sich ideal für Massengüter und schwere Lasten, was spezielle Anforderungen an die Ausschreibungsunterlagen stellt.
Komplexe Preisstrukturen: Angebote im Schienenverkehr setzen sich oft aus Trassenpreisen, Waggonmieten, Energiezu-schlägen und Terminalgebühren zusammen. Eine manuelle Vergleichbarkeit (z. B. via Excel) ist extrem fehleranfällig.
Intermodale Notwendigkeit: Oft deckt die Bahn nur den Hauptlauf ab. Eine professionelle Ausschreibung muss den Vor- und Nachlauf (LKW) integrieren können.
Begrenzter Anbieterkreis: Im Gegensatz zum fragmentierten LKW-Markt gibt es weniger Anbieter (EVUs), was den Aufbau eines privaten Wettbewerbsumfelds erschwert.
